Wohnmobil mieten oder kaufen?

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Mit dem Wohnmobil verreisen ist im Trend. Doch der hohe Preis dieser Mobilheime schreckt viele ab. Lohnt sich der Kauf oder ist das Mieten des Reisemobils für die anstehenden Reisen nicht günstiger?

Mobiles Reisen in Deutschland

Endlich Urlaub: Jeder wünscht sich möglichst viel Unabhängigkeit und möchte die Zeit ohne Einschränkung genießen. In einem Wohnmobil gibt es keine festen Essenszeiten, die Urlauber können sich kurzfristig entscheiden, ob es weitergeht oder sie noch am Ort bleiben wollen – vorausgesetzt, die Campingplätze sind noch nicht ausgebucht.

Tatsächlich wurden in den letzten Jahren mehr Reisemobile in Deutschland zugelassen als je zuvor. Im ersten Quartal 2016 gab es 8.863 Neuzulassungen von Wohnmobilen, während es im Vorjahresquartal etwa 1.700 weniger waren. Rund ein Drittel davon waren private Zulassungen, wie der Caravaning Industrie Verband (CIVD) angibt. Diese Verkaufszahlen werden vom Kraftfahrtbundesamt belegt und weisen darauf hin, wie sehr sich die Deutschen inzwischen für das mobile Reisen begeistern.

Die Kosten für ein Reisemobil

Durchschnittlich hat ein Wohnmobil in 2015 nahezu 70.000,- Euro gekostet, wie der CIVD angibt. Die günstigen Kastenwagen mit einem Dachbett liegen bei einem Neupreis von rund 35.000,- Euro. Sie kommen häufig als Zweitwagen zum Einsatz. Nach oben hin gibt es keine Preisbegrenzung. Die größeren Reisemobile und die Luxusausführungen sind teilweise im sechsstelligen Bereich angesiedelt. Wer nicht so viel Geld ausgeben möchte, kann sich bei gebrauchten Wohnmobilen umsehen.

Da die Nachfrage zurzeit sehr hoch ist, sind hier jedoch eventuell Kompromisse zu machen und die Käufer haben nicht viel Verhandlungsspielraum. Sicherlich ist das ein Grund, warum viele Reisende zunächst ein Reisemobil mieten. Die Kosten bleiben hier überschaubar, was vor allem dann vorteilhaft ist, wenn Interessierte diese Art des Reisens erst einmal ausprobieren möchten.

Durchschnittlich hat ein Wohnmobil in 2015 nahezu 70.000,- Euro gekostet, wie der CIVD angibt. Die günstigen Kastenwagen mit einem Dachbett liegen bei einem Neupreis von rund 35.000,- Euro. (#01)

Durchschnittlich hat ein Wohnmobil in 2015 nahezu 70.000,- Euro gekostet, wie der CIVD angibt. Die günstigen Kastenwagen mit einem Dachbett liegen bei einem Neupreis von rund 35.000,- Euro. (#01)

Caravan oder Wohnwagen, welches ist die bessere Lösung?

Für den Urlaub auf dem Campingplatz gibt es mehrere Optionen: Ein Reisemobil oder ein Wohnwagen, der als Anhänger vom Pkw gezogen wird – was soll es sein?

Oft ist der Preis das ausschlaggebende Kriterium für die Kaufentscheidung, doch es gibt noch andere wichtige Aspekte:

  • Der Durchschnittspreis ist bei Reisemobilen deutlich höher als bei Wohnwagen (2015 kosteten Wohnmobile durchschnittlich 68.000,- Euro, Wohnwagen jedoch nur 19.000,- Euro),
  • Wohnmobile sind häufig luxuriöser und einheitlicher ausgestattet,der Wohnwagen wird am Campingplatz abgekoppelt und bleibt stehen,
  • während das Reisemobil auch kürzere Verweilzeiten erlaubt und die Reisenden schneller wieder aufbrechen können.

Lohnt sich die Investition in ein Wohnmobil?

Ob es sich lohnt, ein Wohnmobil zu kaufen, stellt sich oft erst im Nachhinein heraus. Die hohen Kosten rentieren sich meistens nur dann, wenn mehr als nur einmal jährlich Fahrten anstehen. Aus diesem Grund mieten viele Urlauber zunächst einen Caravan oder Wohnwagen, um zu testen, ob sie sich damit wohlfühlen. Wer ein Reisemobil mietet, muss mit einem Preis von 80 bis 160 Euro pro Tag rechnen, bei einer Mindestmietdauer von einer Woche. Teilweise bieten die großen Wohnmobilhersteller eine eigene Vermietung an. Im Erwin Hymer Center in Stuttgart gibt es nicht nur Reisemobile zu kaufen, sondern auch mieten.

Die Experten in diesem Bereich empfehlen Reisemobilneulingen für den ersten mobilen Urlaub ein Mietfahrzeug zu buchen. Wenn die Reise ein voller Erfolg war und die Urlauber immer wieder so reisen möchten, ist eine Kalkulation sinnvoll: Wie viele Reisen mit dem Wohnmobil sind geplant und was würde die Miete kosten?

Der Kauf eines Wohnmobils ist eine Investition auf lange Sicht, das sollte immer bewusst sein. Die Qualitätsmarken achten auf eine solide Haltbarkeit, sodass die Gefährte über Jahrzehnte hinweg genutzt werden können. Und auch als Gebrauchtfahrzeug erzielt ein solches Wohnmobil noch einen anständigen Preis.

Video: Urlaub mit Caravan und Wohnmobil – Ferienhäuser auf Rädern (2017)

Was bei der Auswahl eines Wohnmobils zu beachten ist

Vor dem Start ist es wichtig, sich mit allen Funktionen und Sicherheitshinweisen vertraut zu machen. Ein Reisemobil ist länger und breiter als ein normaler Pkw, wodurch das Manövrieren schwieriger wird. Die Bauweise beeinflusst das Fahrverhalten und auch beim Bremsen reagiert das schwere Gefährt anders als ein Pkw. In einem Tunnel oder neben Lkw können Luftströmungen entstehen, die das Unfallrisiko erhöhen.

Wenn es sich um ein Gefährt mit Zugfahrzeug handelt, ist zu überprüfen, ob die zugelassene Anhängelast eingehalten wird. Die Experten vom ADAC raten dazu, 150 bis 200 kg unter der Höchstgrenze zu bleiben, damit es keine Probleme beim Fahren gibt.

Bei einer Fahrerlaubnis der Klasse B darf das Gespann nicht mehr wiegen als 3,5 t. Wenn dieses Gewicht überschritten wird, muss der Fahrer die spezielle B96 Qualifikation ablegen und eine entsprechende Eintragung im Führerschein vornehmen lassen. Damit darf man ein Gespann bis zu 4,25 t fahren.

Ein Wohnmobil mieten: Fakten und Infos

Die Deutschen haben das Reisen mit dem Wohnmobil in den letzten Jahren immer mehr für sich entdeckt. Seit 2010 sind die Zahlen deutlich angestiegen. 2012 wurden etwas über 24.000 Reisemobile in Deutschland neu zugelassen und 2016 waren es über 35.000 Neuzulassungen. Gleichzeitig wuchs auch das Mietgeschäft mit den Reisemobilen.

Beim Mieten sind bestimmte Richtlinien einzuhalten, worüber die ADAC Autovermietung informiert. Die Kunden erfahren hier wichtige Details zu der üblichen Mietdauer sowie zur grundsätzlichen Herangehensweise. Zumeist werden die Reisemobile für mindestens eine Woche vermietet, lediglich außerhalb der Hauptsaison kann man Glück haben, dass auch eine kürzere Dauer möglich ist. Ab einer Mietdauer von drei Wochen kann man häufig einen Rabatt aushandeln.

Bei der Übergabe des gemieteten Wohnmobils sollte ausreichend Zeit einkalkuliert werden. Es kann bis zu einer Stunde dauern, um alle Funktionen von der Gasheizung über das WC bis zur Markise kennenzulernen. Auf diesem Rundgang werden auch bereits bestehende Schäden aufgenommen, damit es bei der späteren Rückgabe nicht zu einem Schadensersatzanspruch des Vermieters kommt. Hier dürfen auch das Wagendach und die üblichen Fahrfunktionen nicht übersehen werden.

Die Deutschen haben das Reisen mit dem Wohnmobil in den letzten Jahren immer mehr für sich entdeckt. (#02)

Die Deutschen haben das Reisen mit dem Wohnmobil in den letzten Jahren immer mehr für sich entdeckt. (#02)

Mit dem Wohnmobil fahren: Grundsätzliches

Wer ein gemietetes oder gekauftes Wohnmobil fährt, braucht nicht nur die Haftpflichtversicherung, die bei jedem Fahrzeug erforderlich ist, sondern auch eine Kaskoversicherung. Abhängig vom Wert des Reisemobils kann zwischen Voll- und Teilkasko mit Selbstbeteiligung gewählt werden, um den Versicherungsbeitrag gering zu halten. Beim Mieten eines Reisemobils und der Buchung eines Campingplatzes lohnt sich eventuell eine Reiserücktrittskostenversicherung. Abhängig davon, wo es hingehen soll, kann ein Auslandskrankenschutz nötig sein.

Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, sollte nicht zu schnell fahren. Empfohlen wird ein Tempo von maximal 110 km/h. So sparen Urlauber Sprit und schonen zugleich die Nerven. Durchschnittlich liegt der Dieselverbrauch der Reisemobile zwischen 9 und 14 Liter pro 100 km. Für Kinder gibt es im Allgemeinen keine Kindersitze im gemieteten Wohnmobil. Diese müssen jedoch zusätzlich ausgeliehen werden oder die Urlauber bringen selbst welche mit und verbauen diese. Dann muss eine entsprechende Verankerung im Reisemobil vorhanden sein, die zumeist nicht zum Standard gehört.

Die Reiseplanung

Mobil urlauben, das klingt nach Freiheit und kurzfristigen Entschlüssen. Doch ein wenig Planung ist schon erforderlich, damit Urlauber nicht von einem überfüllten Campingplatz zum nächsten fahren müssen. Gerade in der Hauptsaison kann die Suche nach einem freien Platz schwierig werden. Rechtzeitige Reservierung ist auf jeden Fall sinnvoll und gibt Sicherheit. In der Nebensaison ist es hingegen unproblematisch, spontan aufzubrechen. Trotzdem lohnt sich ein vorheriger Check auf der Online-Seite der Campingplätze, denn bei schönem Wetter können die besonders attraktiven Plätze vor allem am Wochenende relativ gut besucht sein.

Wenn der Kauf eines Reisemobils ansteht, empfehlen Experten, dies nicht zu kurzfristig vor dem Urlaub zu machen, denn teilweise zieht sich der Kauf länger hin als vermutet. Beim Anmieten ist erst recht eine frühzeitige Vorbereitung nötig, sonst sind die besten Wohnmobile schon reserviert.
Wer ein Reisemobil nicht von einem gewerblichen Anbieter mietet, sondern privat, der sollte aufpassen, dass es sich um ein Selbstfahrermietfahrzeug handelt. Diese Zulassung stellt sicher, dass die Versicherungen auch gültig sind.

Video: Camping mit dem Wohnmobil – Welt der Wunder

Wie sieht die Entscheidung nun aus: Mieten oder kaufen?

Wenn die erste Reise mit dem Wohnmobil ansteht, ist es sinnvoll, sich ein Reisemobil zu mieten. Nicht jeder ist für den Urlaub auf dem Campingplatz geboren. Durch das Anmieten des Wohnmobils findet jeder schnell heraus, ob wenige Quadratmeter ausreichen, um sich wohlzufühlen und sich nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen. Bitte immer daran denken, dass möglicherweise nicht immer die Sonne scheint!

Wer von seinem ersten Urlaub mit dem Reisemobil rundum begeistert ist, für den bietet es sich an, genauer zu rechnen. Möglicherweise kommen nur noch Wohnmobil-Urlaube in Frage. In diesem Fall lohnt sich ein eigenes Wohnmobil, das gebraucht oder neu gekauft werden kann. Nach der Kalkulation von Miete und Kaufpreis und natürlich nach dem Blick auf den eigenen Kontostand wissen die meisten, wo die maximale Investitionsgrenze liegt. Seriöse Händler, die bekannte Marken im Angebot haben, sind eine gute Adresse, um sich genauestens mit den verschiedenen Wohnmobilen vertraut zu machen und eine endgültige Entscheidung zu treffen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Philip Lange -#01: Helen Filatova  -#02: Halfpoint

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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