Banksy Ausstellung Berlin: Warum kostet Streetart ansehen Geld?

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Die Bundesnotbremse unterbrach die Banksy Ausstellung in Berlin, sodass ihr zweiter Teil bis zum 29. August 2021 ging. Über 100 Werke des britischen Künstlers wurden hier in der Luckenwalder Straße 4 – 6 gezeigt.

Die Banksy Ausstellung in Berlin: Street Art zeigt Kunstwerke des Briten

Berlin ist bunt, Berlin ist abwechslungsreich: Kein Wunder, dass hier auch die Street Art Szene beheimatet ist. Im Juni und August 2021 ging es wieder einmal besonders bunt und künstlerisch daher, als die Banksy Ausstellung in Kreuzberg stattfand.

Nachdem die Ausstellung wegen der Bundesnotbremse unterbrochen werden musste, wurde sie bis zum 29. August 2021 in der Luckenwalder Straße 4 – 6 fortgesetzt und durfte auf keiner Street Art Map fehlen. Der Titel der Banksy Ausstellung lautete: „The Mystery of Banksy – A Genius Mind“, Ort der Veranstaltung war die STATION Berlin.

Video: Banksy der Geheimnisvolle Streetart Künstler | Ausstellung in Berlin

Banksy Ausstellung ist in Berlin schon zum zweiten Mal zu Gast (Video)

Berlin ist DAS Pflaster für alle, die es in der Kunstszene zu etwas bringen wollen. Dem britischen Künstler Banksy ist das schon längst gelungen, wenngleich er immer noch anonym bleibt. Doch es war selbstverständlich, dass seine Werke, die der modernen Street Art zugeordnet werden, in Berlin einfach zu sehen sein müssen und so zeigte auch die Street Art Map des DEF-Shop diese Veranstaltung an.

Gezeigt wurden hier originalgetreue Zeichnungen und Gemälde, auch Skulpturen wurden ausgestellt. Allerdings fragen sich viele Kritiker, ob „Street“ nicht automatisch bedeutet, dass die zugehörige Kunst keinen kommerziellen Nutzen verfolgen dürfe und somit auch kostenlos zugänglich sein solle.

Die Banksy Ausstellung wäre demzufolge hier in Berlin kostenlos gewesen, was sie aber nicht war. Dies dürfte zumindest dem Künstler selbst missfallen, denn er gilt als überaus kapitalismuskritisch.

Video: [4K] Berlin – „The Mystery of Banksy – A Genius Mind“ – Ausstellung in der STATION Berlin

Die Banksy Ausstellung in Berlin war nicht autorisiert

Normalerweise zeigen Künstler selbst, was sie der Welt präsentieren wollen. Es werden zum Beispiel Graffitis gesprüht, welche nicht selten eine enorme Aussagekraft haben. Geld verlangen diese Künstler weder in ihrer Street noch für die Eintragung in einer Street Art Map. Sie zeigen einfach, was sie denken, fühlen oder sich wünschen.

Sie entscheiden selbst, was im Fall der Banksy Ausstellung in Berlin nicht der Fall war. Hierbei handelte es sich um eine nicht autorisierte Street Art Ausstellung, welche aber nicht nur in Berlin, sondern auch anderswo in dieser Form durchgeführt wird.

Mittlerweile werden schon sehr hohe Summen für Banksy-Werke geboten und das alles, obwohl dem Künstler eine reine Form der Street Art so wichtig ist.

 

Normalerweise zeigen Künstler selbst, was sie der Welt präsentieren wollen. ( Foto: Shutterstock - meunierd )

Normalerweise zeigen Künstler selbst, was sie der Welt präsentieren wollen. ( Foto: Shutterstock – meunierd )

Bei der Ausstellung in Berlin wurde unter anderem die Front des „The Walled Off Hotel“ in Bethlehem gezeigt, welches durch Banksy selbst gegründet worden war. Durch die Präsentation dieser Hotelfront wird suggeriert, dass hier der Eingang zu einer Ausstellung im Hotel liege.

Bei der Banksy Ausstellung ging es darum, Leben und Schaffen des Künstlers zu verdeutlichen und aus einem Mythos der Street Art einen echten Künstler zu machen. Originalgetreue Repliken der Werke wurden gezeigt und sollten einen Rundumblick auf das Schaffen des Künstlers zulassen. Neben der Banksy Ausstellung in Berlin wurde eine ähnliche Veranstaltung in Heidelberg durchgeführt, wofür Virginia Jean als Kuratorin verantwortlich zeichnete. #

Die Kunstwerke sollen als Street Art allen Menschen zugänglich sein, dafür wurden Künstler angeheuert, die die Repliken schaffen sollten und die diese Kunst der Street auch wirklich leben. Viele Besucher waren der Meinung, dass die Kunstwerke als Sticker aufgeklebt worden waren, und mussten erst darüber aufgeklärt werden, dass es sich um echte Street Art handelte.

Street Art in geschlossenen Räumen ( Foto: Shutterstock- meunierd )

Street Art in geschlossenen Räumen ( Foto: Shutterstock- meunierd )

Street Art: Künstler präsentieren Wünsche und Gefühle

Als Street Art wird per Definition eine nicht-kommerzielle Form von Kunst verstanden, wobei diese im öffentlichen Raum gezeigt wird. Nach Meinung der jeweiligen Künstler sollte diese Kunst immer auf der Street verbleiben, das heißt, sie sollte nicht wieder entfernt werden. Große Graffiti zieren dann Gebäudewände, wobei wirkliche Street oder Urban Art nicht mit den Schmierereien vergleichbar ist, die allerorts in den Städten zu finden sind.

Als Street Art wird per Definition eine nicht-kommerzielle Form von Kunst verstanden, wobei diese im öffentlichen Raum gezeigt wird. ( Foto: Shutterstock- Ppictures)

Als Street Art wird per Definition eine nicht-kommerzielle Form von Kunst verstanden, wobei diese im öffentlichen Raum gezeigt wird. ( Foto: Shutterstock- Ppictures)

 

Verschiedene Stilarten der Straßenkunst

Die moderne Street oder Urban Art ist wirklich künstlerisch und zeigt viele verschiedene Stilrichtungen. Eine davon sind Murals, die als größte und auffälligste Form gelten. Sie sind meist auf Hauswänden zu finden, die in Berlin als Brandwände bezeichnet werden. Fassaden ohne Fenster sind ideal, denn sie bieten zum einen genügend Platz, zum anderen werden sie zum absoluten Blickfang.

Teilweise werden sogar eigens Künstler engagiert, die die Wände verschönern sollen. Gerade Murals sind meist Auftragsarbeiten, denn die riesigen Wände lassen sich nicht bemalen oder besprühen, ohne dass dies jemand mitbekommt. Teilweise entstehen im Zuge von Street oder Mural Festivals solche Bilder, in vielen Städten gibt es eine Mural-Szene, die sich ganz und gar der Fassadenkunst verschrieben hat.

Fassaden ohne Fenster sind ideal, denn sie bieten zum einen genügend Platz, zum anderen werden sie zum absoluten Blickfang. ( Foto: Shutterstock-carol.anne )

Fassaden ohne Fenster sind ideal, denn sie bieten zum einen genügend Platz, zum anderen werden sie zum absoluten Blickfang. ( Foto: Shutterstock-carol.anne )

 

Mehr als Schmierereien

Viele Menschen sehen in den Bildern allerdings keine Kunst, sondern bezeichnen sie als Vandalismus. Dabei sind sie alles Andere als das! Sie sind freie Meinungsäußerungen und zeigen ein politisches Engagement. Hier können Statements offensichtlich gesetzt werden, wobei Konflikte im Alltag ebenso mit einbezogen werden wie Bilder, die als Spiegel der aktuellen Gesellschaft zu sehen sind.

Inzwischen gilt Berlin als das Mekka der Straßenkunst und das nicht nur in Deutschland, sondern innerhalb von ganz Europa. Ein prominentes Beispiel ist die East Side Gallery, die als längste Open-Air-Galerie der Welt gilt. Berlin erhielt dafür sogar die Auszeichnung als UNESCO-Stadt des Designs und auch im Museum für zeitgenössische Kunst widmet man sich mittlerweile der Street Art. Dabei stellt sich die Frage, ob Street Art überhaupt ausgestellt werden oder nicht besser ganz urtümlich draußen zu finden bleiben sollte.

Inzwischen gilt Berlin als das Mekka der Straßenkunst und das nicht nur in Deutschland, sondern innerhalb von ganz Europa. ( Foto: Shutterstock- View Apart )

Inzwischen gilt Berlin als das Mekka der Straßenkunst und das nicht nur in Deutschland, sondern innerhalb von ganz Europa. ( Foto: Shutterstock- View Apart )

Darf Street Art wirklich Geld kosten?

Nun stellt sich jeder die Frage, ob der Zutritt zur Banksy Ausstellung denn wirklich Geld kosten musste. Diese Ausstellung in Berlin steht dabei nur stellvertretend für andere, die als Street Art Show durchgeführt werden und das nicht nur in Berlin.

Kritiker sind der Meinung, dass die Künstler der Street auch das Illegale ihrer Aktivitäten lieben und leben, denn dies macht einen großen Teil der Street Art aus. Sind in der Street Art Map Anlaufstellen mit besonderen Kunstwerken verzeichnet, sollten dort vor Ort keine Eintrittsgelder verlangt werden. Doch genau das ist bei der Banksy Ausstellung geschehen, was die Frage aufwirft, wie jemand Geld für etwas bezahlen kann, was eigentlich nicht erlaubt ist?

Im Fall der Banksy Ausstellung, die eben nicht nur in Berlin durchgeführt wird, läuft die kommerzielle Vermarktung komplett konträr zur Intention des Künstlers. Street Art soll für die Street gemacht sein, für die Öffentlichkeit und für alle, die daran vorbeigehen. So wollen es zumindest die meisten Künstler.

Nicht umsonst hat sich der Künstler Banksy inzwischen von seinem Kurator getrennt, der in der Vergangenheit verschiedene Ausstellungen ausgerichtet hat. Mittlerweile kostet die Ausstellung nämlich nicht nur Eintrittsgeld, sondern es werden sogar Merchandise-Artikel verkauft. Kann es noch weiter weggehen von der Street, von Street Art und dem Ansinnen eines Künstlers? Damit ist verständlich, wenn sich manche Künstler wünschen, auf keiner Street Art Map mehr gefunden zu werden.

Über den Autor

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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