Geburt in den USA: Wie können Sie Ihr Kind dort entbinden?

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In vielen Ländern spricht man heute bereits vom Geburtstourismus. Viele Frauen reisen kurz vor der Geburt in die USA ein, um das Kind im Land der grenzenlosen Freiheit zu entbinden. Doch warum nehmen hochschwangere Frauen und ihre Partner diese Strapazen auf sich? Welchen Zweck verfolgen Eltern mit der Geburt in den USA? Und wie können auch Sie Ihr Kind in den United States of America zur Welt bringen?

Die Staatsbürgerschaft der USA

Vielen Menschen geht es darum, dass das Kind die amerikanische Staatsbürgerschaft erhält. Denn im amerikanischen Gesetz ist festgeschrieben, dass Kinder, die in den USA geboren werden, automatisch Amerikaner werden. Mit dieser Staatsbürgerschaft gehen große Vorteile für den Nachwuchs als auch für die Eltern einher. So haben Kinder mit der Staatsbürgerschaft in den USA ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht, dürfen studieren oder auch einen Job annehmen. Ebenso sind die Kinder in der Lage ab dem 21.ten Lebensjahr die Staatsbürgerschaft auch für die Eltern zu beantragen.

Wie erhalten Sie ein Visum?

Bevor Sie in die USA einreisen können, müssen Sie das Visum oder ein ESTA beantragen. Personen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz brauchen für einen herkömmlichen Aufenthalt in den USA kein Visum. Es genügt, wenn Sie das ESTA beantragen. Sollten Sie jedoch länger als 90 Tage in den USA bleiben, benötigen Sie ein Visum. Die Beantragung des ESTA kann heute kinderleicht über das Internet geschehen und dauert in der Regel nicht lange. Der Aufwand rund um das Visum ist jedoch zeitlich höher zu kalkulieren.

Was ist ESTA?

Unter dem ESTA versteht sich das Electronic System for Travel Authorization, auf Deutsch: elektronisches Reisegenehmigungssystem. Die US-Regierung hat hiermit ein Sicherheitssystem geschaffen, um das Einreisen von unerwünschten Personen zu verhindern. Bevor Sie an Bord eines Schiffes oder Flugzeuges gehen, muss diese Autorisierung stattgefunden haben. Zudem geht für Sie als Reisender ein großer Vorteil aus dem ESTA hervor. Nicht nur der zeitliche Aufwand ist gegenüber dem Visum deutlich geringer. Ebenso sind die Kosten niedriger und eine Vorstellung beim Konsulat entfällt.

Was müssen Sie zur Geburt in den USA wissen?

Ihr Ziel – die amerikanische Staatsbürgerschaft für den Nachwuchs – ist gefasst? Dann sollten Sie einige wichtige Aspekte zur Geburt in den USA kennen. Zunächst gilt es zu wissen, dass die amerikanischen Ärzte dem Tag der Geburt deutlich weniger Zeit geben, als es in Deutschland üblich ist. So werden in den USA Geburten hormonell eingeleitet, sobald der errechnete Geburtstermin um eine Woche überschritten ist. Ebenso werden komplizierte Geburten des Öfteren abgebrochen, um mit einem Kaiserschnitt fortzufahren. Sieht der zuständige Arzt schon vor der Geburt Komplikationen, wird schneller zu einem Kaiserschnitt gegriffen als in Deutschland. Sollten Sie sich eine natürliche Geburt für sich und Ihr Kind wünschen, gilt es diesen Aspekt genauer zu hinterfragen.

Auf die Versicherung achten

Bevor die Reise in die USA beginnen kann, sammeln Sie Informationen rund um eine Geburt in den USA. Besonders zu beachten ist die Zuständigkeit der Krankenversicherung.

Zahlt die deutsche Krankenversicherung?

Die meisten amerikanischen Krankenversicherungen nehmen keine schwangeren Frauen auf, die gerade erst in das Land eingereist sind. Daher müssen Sie bereits vor der Einreise mit Ihrer deutschen Reisekrankenversicherung klären, ob diese für die Kosten aufkommen. Da der Geburtentourismus in den letzten Jahren stark boomt, scheuen sich immer mehr Reisekrankenversicherungen die Kosten für eine Geburt im Ausland zu übernehmen. Fallen Kosten für Behandlungen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft oder Geburt an, bleiben Sie auf diesen Rechnungen sitzen.

Gibt es in den USA Hilfen durch Krankenkassen?

Eine Krankenkasse, wie wir sie hier in Deutschland kennen, gibt es in den USA nicht. Die medizinische Versorgung ist in den USA anders organisiert als in Deutschland. In den USA bieten sogenannte HMO oder PPO eine medizinische Versorgung an. Der Health Maintenance Organization Act von 1973 regelt hier die finanzielle und rechtliche Förderung der HMO durch staatliche Stellen. Es gibt weitere, ähnliche Organisationen für medizinische Unterstützung wie beispielsweise die Preferred Provider Organizations (PPO), die nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten.

Was unterscheidet eine HMO von unserer Krankenkasse?

Eine Health Maintenance Organization (HMO) bezeichnet eine spezielle Einrichtung in den USA, die es seit etwa 1910 gibt. Es gibt eine ganze Reihe von HMOs, die meist Verträge für eine ärztliche Versorgung ihrer freiwilligen Mitglieder haben. Besonders interessant: die HMOs werden nicht für ihren Arbeitsaufwand, sondern für ihren medizinischen Erfolg bezahlt. Daher darf man sich dort für eine Geburt in den USA eine bessere Versorgung erwarten.

Wann helfen HMO und PPO?

Sollte Ihr Partner oder Sie selbst einen amerikanischen Arbeitgeber haben, können Sie sich über eine Bewerbung bei einer HMO oder PPO beraten lassen.

Eine Geburt im Flugzeug oder auf hoher See, kann als Geburt in den USA zählen. (Foto: shutterstock - AePatt Journey)

Eine Geburt im Flugzeug oder auf hoher See, kann als Geburt in den USA zählen. (Foto: shutterstock – AePatt Journey)

Geburt auf Hoher See oder im Flugzeug

Was geschieht, wenn sich die Einreise in die USA verzögert, oder wenn das Baby unerwartet während der Reise kommt? Wählen Sie Ihren Einreisetermin nicht all zu spät. Viele Fluggesellschaften weigern sich, Frauen im letzten Schwangerschaftsmonat mitzunehmen, aus Angst, das Kind können während des Fluges zur Welt kommen. Informieren Sie sich bei Ihrer Fluggesellschaft wie lange Sie die Flugreise in Anspruch nehmen können.

Wenn die Geburt aber dann doch auf der Reise passiert, können Sie beruhigt sein. Im Normalfall ist die Crew nämlich für genau diesen Fall ausgebildet und kann als Geburtshelfer einspringen.

Welche Staatsangehörigkeit bekommt ein Baby bei der Geburt im Flugzeug?

Jeder Staat regelt selbst, wie seine Staatsbürgerschaft erlangt werden kann. So bekommen Kinder entweder die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern, unabhängig davon, wo sie geboren wurden. Das ist das Abstammungsprinzip. Oder sie bekommen die Staatsangehörigkeit des Landes, in welchem sie geboren werden. Dieses Prinzip nennt man auch das Territorialprinzip.

Bei der Geburt im Flugzeug erwirbt das Kind nach Meinung der Vereinten Nationen die Staatsangehörigkeit des Landes, in welchem die Maschine registriert ist – wenn das Flugzeug sich über exterritorialem Gebiet befindet. Sonst greift das Territorialrecht, denn in jedem Flugzeug gilt das Recht des Staates, in dessen Luftraum sie sich befindet. Zusätzlich gilt in den USA das Bodenrecht. Dieses schließt die 18-Meilenzone mit ein. Hat also das Flugzeug die 18-Meilen-Zone erreicht, erlangt das Neugeborene die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Erlangt das Baby die deutsche Staatsangehörigkeit?

Diese Frage regelt klar der Paragraph 4 des deutschen Staatsangehörigkeitsgesetzes. Der besagt, dass ein Kind bei Geburt in der Luft oder auf See die Staatsangehörigkeit der Eltern erhält. Hat also mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit, so erhält auch das Kind die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Anwendung des Abstammungsprinzips ist stets der Fall. Ob das Kind zusätzlich eine weitere Staatsbürgerschaft erlangt, hängt von den Gesetzen des jeweiligen Landes ab, in dessen Hoheitsgebiet sich Flugzeug oder Schiff bewegen. Im Fall der USA ist dies eindeutig: innerhalb der 18-Meilen-Zone gilt dies als Geburt in den USA. In anderen Ländern kann dies jedoch abweichen.

Welchen Geburtsort hat ein Baby bei der Geburt im Flugzeug?

Das ist dann schon wieder einfacher. Der Geburtsort kann meist recht unkompliziert benannt werden. Dies ist nach internationalem Recht die Position des Flugzeugs mit Längen- und Breitengrad. Das hat dann auch nicht jeder und gibt dem Kind einen Hauch von Exotik mit auf den Weg. Als Ausnahme gibt es hier einige Staaten, die stattdessen die Stadt angeben, in welcher Mama und Baby erstmal wieder festen Boden betreten.

Geschieht die Geburt auf Hoher See, dann wird als Geburtsort der Name des Gewässers eingetragen, sowie ebenfalls der Längen- und Breitengrad der festgestellten Position. Diese Angaben werden dann auch in Personalausweis und Pass vorgenommen. Dies sieht das deutsche Personenstandswesen vor.

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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