Kurzstreckenflug innerhalb Deutschlands: Nonsens oder vernünftige Alternative?

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Ein Kurzstreckenflug stellt wahrscheinlich die schnellste Möglichkeit dar, um ein Ziel innerhalb Deutschlands zu erreichen. Außerdem ist er in der Regel sehr preiswert. Allerdings trägt er erheblich zur Klimaerwärmung bei.

Starker Anstieg der Passagierzahlen im Luftverkehr

In der Luftfahrt kam es im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte zu einem enormen Anstieg der Passagierzahlen. Früher stellten Flugreisen einen Luxus dar, den sich der Durchschnittsbürger maximal ein Mal pro Jahr für seine Urlaubsreise leisten konnte. Als die Billigflieger den Markt eroberten, reduzierten sich die Flugkosten im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen jedoch drastisch. Das führte dazu, dass sich mittlerweile auch ein Durchschnittsverdiener eine Flugreise als Wochenendtrip mehrmals pro Jahr leisten kann.

Es kommt hinzu, dass die Kosten auch im Verhältnis zu anderen Verkehrsmitteln stark abgenommen haben. Vor rund 20 Jahren war es fast immer günstiger, das Auto oder die Bahn zu wählen, um ein Ziel innerhalb Deutschlands zu erreichen. Mittlerweile stellt jedoch häufig das Flugzeug die preiswerteste Alternative dar.

Wie stark die Zahl der beförderten Passagiere in den letzten Jahren zugenommen hat, zeigt die folgende Tabelle.

Beförderte Passagiere im Luftverkehr in Deutschland (in 1.000)
2004 135.848
2006 154.485
2008 166.291
2010 166.803
2012 179.199
2014 186.689
2016 200.930
2017 212.547

Quelle

rüher stellten Flugreisen einen Luxus dar, den sich der Durchschnittsbürger maximal ein Mal pro Jahr für seine Urlaubsreise leisten konnte.

Früher stellten Flugreisen einen Luxus dar, den sich der Durchschnittsbürger maximal ein Mal pro Jahr für seine Urlaubsreise leisten konnte.(#01)

Kurzstreckenflug innerhalb Deutschlands: Leicht rückläufige Entwicklung

Insgesamt ist die Zahl der Flüge in den letzten Jahren stark angestiegen. Bei den Kurzstreckenflügen innerhalb Deutschlands ist diese Tendenz jedoch nicht zu beobachten. Die folgende Tabelle schlüsselt die Zahl der Fluggäste nach ihren Flugzielen auf. Hierbei ist insgesamt zwischen 2016 und 2018 ebenfalls ein deutlicher Zuwachs zu beobachten. Dieser geht jedoch in erster Linie auf den starken Anstieg der Flüge ins europäische Ausland zurück.

Die größte prozentuale Steigerung verzeichneten die Flüge nach Afrika. Diese stiegen in zwei Jahren von 2,4 Millionen auf 4 Millionen an. Das ist insbesondere auf die zunehmende Beliebtheit von Urlaubszielen in Nordafrika zurückzuführen. Da die absolute Anzahl hierbei jedoch vergleichsweise gering ist, fällt dieser Anstieg nicht allzu stark ins Gewicht. Der Kurzstreckenflug innerhalb Deutschlands büßte allerdings leicht an Beliebtheit ein.

Während 2016 23,7 Millionen Fluggäste ein Ziel innerhalb Deutschlands anflogen, waren es 2018 nur noch 23,5 Millionen.

Anzahl der Passagiere nach Flugzielen (in Millionen)
2016 2017 2018
Deutschland 23,7 23,7 23,5
Europa 69,2 73,3 77,8
Asien 8,6 9,0 9,1
Amerika 8,1 8,4 8,1
Afrika 2,4 3,2 4,0
Ausland (gesamt) 88,2 93,9 99,0
Passagiere insgesamt 111,9 117,6 122,6

Quelle

Fliegen ist schnell und kostengünstig. Diesen enormen Vorteilen steht jedoch ein großer Nachteil gegenüber: Bei einem Flug entsteht viel CO2.

Fliegen ist schnell und kostengünstig. Diesen enormen Vorteilen steht jedoch ein großer Nachteil gegenüber: Bei einem Flug entsteht viel CO2. (#02)

Der CO2-Ausstoß beim Fliegen

Fliegen ist schnell und kostengünstig. Diesen enormen Vorteilen steht jedoch ein großer Nachteil gegenüber: Bei einem Flug entsteht viel CO2. Dieses Gas ist in hohem Maße für die Klimaerwärmung verantwortlich. Wenn die Sonnenstrahlen auf die Erde treffen, wird ein erheblicher Teil der Energie wieder reflektiert und ins All zurückgestrahlt. Wenn die reflektierten Sonnenstrahlen nun jedoch in der Atmosphäre auf die Treibhausgase stoßen, reflektieren diese abermals einen Teil der energiereichen Strahlung.

Je mehr Treibhausgase vorhanden ist, desto stärker ist der Effekt. Diese Strahlung kehrt dann wieder zur Erde zurück, wo sie die enthaltene Energie in Wärme umsetzt. Auf diese Weise wird das Klima immer wärmer. Flugzeuge werden mit Kerosin betrieben. Wenn man dieses verbrennt, entstehen in erster Linie Kohlendioxid (CO2) und Wasserdampf. Daher tragen Flugreisen zur Klimaerwärmung bei.

Der Treibstoffverbrauch von Flugzeugen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert. In den 90er Jahren lag der durchschnittliche Verbrauch pro Passagier je 100 km noch bei weit über sechs Litern. Mittlerweile werben viele Airlines jedoch damit, dass sie den Verbrauch auf unter vier Liter gesenkt haben. Diese Werte hören sich zunächst sehr gut an – schließlich benötigt ein durchschnittliches Auto auf 100 km deutlich mehr als vier Liter Kraftstoff.

Allerdings gelten diese Zahlen für jeden einzelnen Passagier. Wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen nicht alleine in den Urlaub fahren, sondern mindestens zu zweit, wird schnell klar, dass der Treibstoffverbrauch beim Flugzeug deutlich höher ist. Wenn man alternativ die Bahn oder einen Bus wählt, ist dieser Wert pro Fahrgast nochmals wesentlich geringer.

Weitere Treibhausgase durch den Luftverkehr

Das CO2 ist nicht der einzige Stoff, der bei einem Kurzstreckenflug entsteht und der zur Klimaerwärmung beiträgt. Darüber hinaus treten beim Verbrennungsprozess auch Stickoxide auf. Wenn die Sonne auf diese Moleküle trifft, entsteht Ozon. Dieses hat eine deutlich stärkere Wirkung als das CO2. Obwohl die Mengen dabei recht gering sind, trägt dieses Gas daher erheblich zum Treibhauseffekt bei.

Beim Fliegen werden die Treibhausgase jedoch bereits in großer Höhe abgesetzt. Das führt dazu, dass sie sofort zur Erderwärmung beitragen.

Beim Fliegen werden die Treibhausgase jedoch bereits in großer Höhe abgesetzt. Das führt dazu, dass sie sofort zur Erderwärmung beitragen.(#03)

Besonders schädliche Wirkung durch das Aussetzen der Treibhausgase in großer Höhe

Bei einem Flug spielt nicht nur die Menge der verursachten Treibhausgase eine wichtige Rolle. Auch der Ort, an dem sie entstehen, ist von großer Bedeutung. Wenn die Treibhausgase in Bodennähe entstehen, wird ein großer Teil von ihnen durch natürliche Prozesse abgebaut. Daher steigt nur ein kleiner Teil in die Atmosphäre auf, wo sie ihre schädliche Wirkung entfalten. Beim Fliegen werden die Treibhausgase jedoch bereits in großer Höhe abgesetzt. Das führt dazu, dass sie sofort zur Erderwärmung beitragen. Die Abbauprozesse laufen hier außerdem deutlich langsamer ab.

In dieser Höhe haben selbst Stoffe, die eigentlich unschädlich sind, eine negative Auswirkung. Die Kondensstreifen, die aus Wasserdampf bestehen, reflektieren das Licht ebenfalls und tragen auf diese Weise zum Treibhauseffekt bei. Auch Ruß und andere Feststoffpartikel können hier eine schädliche Wirkung entfalten. Klimaforscher gehen daher davon aus, dass der klimaschädigende Effekt bei einer Flugreise etwa 2 bis 5 Mal so groß ist, als wenn man die gleiche Menge an Treibstoff auf dem Boden verbraucht.

Kurzstreckenflug verursacht besonders viele Treibhausgase

Die bisherigen Angaben gelten für Flugreisen im Allgemeinen. Bei einem Kurzstreckenflug ist der Effekt jedoch nochmals deutlich größer. Das liegt daran, dass der durchschnittliche Verbrauch in hohem Maße von der Flugstrecke abhängt. Der Grund dafür besteht darin, dass der Treibstoffverbrauch bei einer Flugreise in den verschiedenen Phasen starke Unterschiede aufweist. Mit großem Abstand am größten ist der Energiebedarf beim Start.

Während das Flugzeug an Höhe gewinnt, ist der Energiebedarf enorm. Wenn die Reiseflughöhe einmal erreicht ist, nimmt der Kraftstoffverbrauch hingegen deutlich ab. Daraus folgt, dass der durchschnittliche Treibstoffverbrauch pro Kilometer auf einem Kurzstreckenflug wesentlich höher ist als auf einer Langstrecke. Daher ist dieser für die Umwelt besonders schädlich.

Video: ZDF Doku – Der Kampf gegen den Klimawandel

Ist die Reise wirklich notwendig?

Wenn man aus Gründen des Klimaschutzes auf einen Kurzstreckenflug verzichten will, dann sollte man sich zunächst die Frage stellen, ob die Reise wirklich notwendig ist. Anstatt einen Wochenendausflug in eine Stadt in einem anderen Teil Deutschlands zu unternehmen, wäre es vielleicht auch möglich, eine Sehenswürdigkeit in der Nähe zu besuchen. Auf diese Weise ist kein Kurzstreckenflug notwendig. Auch viele Geschäftsreisen sind mittlerweile überflüssig geworden. Durch das Internet bestehen hervorragende Möglichkeiten, um Meetings über große Entfernungen hinweg online abzuhalten.

Eine Reise zu den Geschäftspartnern trägt nicht nur zur Klimaerwärmung bei, sondern verursacht auch erhebliche Kosten. Daher ist es sinnvoll, sich dabei genau zu überlegen, ob sie wirklich notwendig ist. Viele Manager führen den Kurzstreckenflug nur aus Gewohnheit oder aus Prestigegründen durch, obwohl es problemlos möglich wäre, darauf zu verzichten.

Kommen alternative Verkehrsmittel infrage?

Gerade bei einer kurzen Flugstrecke kommen neben dem Flugzeug viele weitere Verkehrsmittel infrage:

  • Züge und Fernbusse sind dabei besonders umweltfreundlich.
    Insbesondere die Bahn kann mit ihren Hochgeschwindigkeitszügen innerhalb Deutschlands auch häufig hinsichtlich der Reisezeit mithalten – wenn man berücksichtigt, dass man bei einer Flugreise bereits deutlich vor der eigentlichen Abflugzeit am Flughafen sein muss.
  • Selbst das Auto ist im Vergleich zum Flugzeug die umweltfreundlichere Alternative.
  • Manchmal kann man einen Flug auch durch einen Mietwagen ersetzen.
    Viele Kurzstreckenflüge dienen als Anschluss für einen Langstreckenflug. Wenn man jedoch nur das Ticket für die eigentliche Langstrecke bucht und die übrige Wegstrecke mit einem Mietwagen zurücklegt, profitiert davon die Umwelt.
  • Viele Airlines bieten auch ICE-Verbindungen als Zubringer für die Langstreckenflüge an. Das bringt im Vergleich zum Kurzstreckenflug enorme Vorteile für die Umwelt mit sich.

Video: Fliegen mit CO2-Ausgleich/CO2-Kompensation – sinnvoll für die Umwelt oder Ablasshandel? – Schlaumal

CO2-Kompensationsdienstleistungen als Ausgleich

Wenn Sie trotz der hier vorgestellten Alternativen zu dem Schluss kommen, dass ein Kurzstreckenflug unverzichtbar ist, dann ist es sinnvoll, hierfür wenigstens eine sogenannte Kompensationsdienstleistung zu erwerben. Es gibt spezielle Unternehmen, die Klima-Projekte in aller Welt fördern – beispielsweise durch die Aufforstung des Regenwaldes. Die Kompensationsdienstleistung besteht darin, dass an anderer Stelle ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird, der den negativen Effekt der Flugreise wieder ausgleicht. Auf diese Weise soll es möglich sein, klimaneutral mit dem Flugzeug zu reisen.

Die CO2-Kompensationsdienstleistungen tragen nicht nur dazu bei, dass der schädliche Effekt der Flugreise an anderer Stelle wieder kompensiert wird. Darüber hinaus führt er dazu, dass sich die Preise im Vergleich zu umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln angleichen. Denn wenn man die Flugreise und die Kompensationsdienstleistung bezahlt, ist es häufig günstiger, gleich mit der Bahn zu fahren und dadurch die Umwelt zu schonen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _Jaroslav Moravcik -#01:  Somjeab -#02:_Stanislaw Tokarski  -#03: ParabolStudio

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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