Weihnachten im Erzgebirge: Alte Weihnachtsbräuche hautnah erleben

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Die Zeit um Weihnachten ist immer besonders stimmungsvoll, ganz gleichgültig, wo man sich gerade aufhält. Im Erzgebirge und auch anderswo gibt es urige Weihnachtsmärkte, die die regionstypischen Bräuche in den Mittelpunkt rücken und den Besuchern das Gefühl von Frieden vermitteln.

Für die richtige Stimmung vor Weihnachten – Märkte im Erzgebirge

Wer zur Vorweihnachtszeit in Oberwiesenthal, Annaberg oder anderen Städten im Erzgebirge unterwegs ist, der kann gleich mehrere Weihnachtsmärkte in der Umgebung besuchen. Die Angebote der Reiseveranstalter und Gastronomen helfen den interessierten Gästen bei der Planung einer solchen Kurzreise.

Bei der Eigenanreise oder einer Busrundfahrt erfahren die Reisenden viel über die typischen Räuchermännchen, Nussknacker und Schwibbögen, für die diese Region so bekannt ist. Die beliebten Räucherkerzen gibt es seit rund 200 Jahren und gehören zu den gut gepflegten erzgebirgischen Traditionen. Mittlerweile bieten die Kunsthandwerker nicht nur die klassischen Räuchermänner an, sondern auch originelle Figuren wie Imker, Fotografen oder Ärzte.

 

Natürlich sorgen auch die klassischen Schwibbögen für viel Begeisterung.

Natürlich sorgen auch die klassischen Schwibbögen für viel Begeisterung. (#01)

Natürlich sorgen auch die klassischen Schwibbögen für viel Begeisterung. Auf den Weihnachtsmärkten kann man die fein gearbeiteten Bögen mit den typischen Zunftmotiven kaufen, um sie später bei sich selbst aufzustellen. In den Fenstern von Annaberg und anderen Städten sorgen die Schwibbögen für eine romantisch-besinnliche Atmosphäre. Diese Lichter sollen an die nach Einbruch der Dunkelheit beleuchteten Stollen der Bergwerke erinnern.

Viele Ortschaften wie Oberwiesenthal haben einen Schwibbogen im Großformat, der auf dem Marktplatz oder an der Hauptstraße in die Stadt aufgebaut ist. Besonders romantisch wirken die erzgebirgischen Städte und Landschaften bei Schnee. Aber auch wenn es keine weiße Weihnacht gibt, bietet der Aufenthalt viele interessante und schöne Einblicke.

Weihnachtsfiguren aus dem Erzgebirge

Früher fand das Schnitzen und Klöppeln in der Vorweihnachtszeit oft in einer größeren Runde statt. Auf diese Weise sparte man Feuer und Kerzen.

Früher fand das Schnitzen und Klöppeln in der Vorweihnachtszeit oft in einer größeren Runde statt. Auf diese Weise sparte man Feuer und Kerzen. (#02)

Zu den wichtigsten Figuren, die Weihnachten im Erzgebirge aufgestellt werden, gehören der lichtertragende Engel und der Lichterbergmann. Dieser Bergmann wurde früher den Jungen geschenkt. Bei der Arbeit im Stollen benötigten die Bergleute eine Lichtquelle, um sich unter Tage zurechtzufinden, wenn sie nach Erz suchten.

Deshalb ist in diesem Zusammenhang das Licht nicht nur eine romantische Beigabe, sondern es steht auch symbolisch für das Leben. Der Engel mit seinem Licht war ein traditionelles Geschenk für die Mädchen. Wenn die Figuren vor Weihnachten auf den Fensterbänken platziert wurden, konnte jeder von draußen sehen, wie viele Jungen und Mädchen in der Familie lebten.

Weitere typische Figuren, die im Erzgebirge Weihnachten einleiten, sind der Nussknacker und die dekorativen Engelchen, die überall auf den Weihnachtsmärkten angeboten werden. Zu dem Traditionsschmuck lassen sich auch die mit Gold bemalten Nüsse und Zapfen zählen.
Früher fand das Schnitzen und Klöppeln in der Vorweihnachtszeit oft in einer größeren Runde statt. Auf diese Weise sparte man Feuer und Kerzen. Bis heute gibt es solche Hutzenabende, die alte Traditionen aufleben lassen und von Liedern und Geschichten begleitet werden. Köstliche Spezialitäten aus dem Erzgebirge dürfen hierbei natürlich nicht fehlen.

Video:Weihnachten 2015 , Pyramide in Zschopau / Erzgebirge

So feiert man anderswo

Im Erzgebirge und in anderen deutschen Regionen gibt es viel traditionelles Brauchtum, das vor allem in der Weihnachtszeit zum Vorschein kommt. Auch andere Länder in Europa und rund um den Globus haben ihre besonderen Riten und Spezialitäten.

In den Niederlanden werden die Geschenke schon am Nikolaustag verteilt, wobei die Figur hier Sinterklaas heißt. Dieser wird von dem „zwarten Piet“, seinem Gehilfen, begleitet. Auch in Flandern ist schon der 6. Dezember der Geschenktag: Am Vortag stellen die Kinder ihren Schuh an der Tür oder am Kamin auf und legen eine Möhre oder anderes Futter hin, damit Sinterklaas‘ Pferd etwas zu futtern bekommt. Am 25. Dezember wird dann das religiöse Fest begangen.

In Österreich findet die Bescherung ebenso wie in Deutschland am Heiligabend statt. Hier ist es Tradition, vorher „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zu singen, ein Lied, das österreichische Wurzeln hat. Die Weihnachtszeit endet am 6.1., wenn die Sternsinger unterwegs sind.

Wie Weihnachten in Großbritannien gefeiert wird, kann man unter anderem hier nachlesen. Schon beim Weihnachtsschmuck werden die Unterschiede deutlich: Anstelle von Tannen, Nüssen und den beliebten Figuren aus dem Erzgebirge oder anderen Regionen schmückt man die Wohnungen in Großbritannien mit Zweigen von Stechpalmen, Misteln und Lorbeer.

Aus den USA kommen weitere Weihnachtsbräuche, die sich teilweise auch in Europa verbreitet haben.

Aus den USA kommen weitere Weihnachtsbräuche, die sich teilweise auch in Europa verbreitet haben. (#03)

Bunte Lichterketten und Girlanden zieren oft auch die Außenseite der Häuser. Heiligabend werden von den Kindern die Strümpfe aufgehängt, die in der Nacht vom Weihnachtsmann bzw. vom „Father Christmas“ gefüllt werden. Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es einen großen Festschmaus für die Familie: Traditionsgemäß kommt gefüllter Truthahn auf den Esstisch. Plumpudding sowie Eierpunsch dürfen beim englischen Weihnachtsfest nicht fehlen.

Aus den USA kommen weitere Weihnachtsbräuche, die sich teilweise auch in Europa verbreitet haben. Die US-typischen Paraden sind hier jedoch nicht zu finden. Das Anschauen von Weihnachtsfilmen wird jedoch inzwischen auch in Deutschland gerne zelebriert. So gehören für viele Romantiker Filme wie „Das Leben ist schön“ oder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ mit ins Weihnachtsprogramm.

Einige selbst ernannte Weihnachtsmuffel suchen sich einen Kontrast zur besinnlichen Zeit, um der allgemeinen, manchmal forcierten Friedlichkeit zu entkommen. Sie sehen Filme wie „Die Hard“ oder erzählen sich düstere Geschichten. Diese Gruselgeschichten zur Weihnachtszeit haben tatsächlich eine etwas längere Tradition, vor allem im Norden und Nordosten von Deutschland.

Weihnachten als Reiseangebot

Nicht nur junge Leute überlegen sich oft, dem üblichen Weihnachtsstress zu entfliehen und eine Reise zu machen. Das kann eine Flugreise in exotische Länder sein, die einen vom kalten, deutschen Winterwetter an einen karibischen Strand bringt, oder auch eine idyllische Fahrt innerhalb Deutschlands oder in die Nachbarländer. Ein traditionelles Hotel an der Küste oder eine bayrische Berghütte schaffen eine urige Atmosphäre. Die Angebote um die Weihnachtstage sind sehr verlockend, dennoch fällt es den meisten Menschen schwer, sich dem Reiz dieser Zeit komplett zu entziehen und ihre Familie nicht zu sehen.

Eine Fahrt ins Erzgebirge ist gewissermaßen eine Mischung aus traditionellem Weihnachtsfest und Flucht aus dem Alltag. Hier kann man über die großen Weihnachtsmärkte bummeln und sich im Hotel verwöhnen lassen. Zu einem Pauschalangebot gehört im Normalfall ein großartiges Weihnachtsmenü oder ein umfangreiches Buffet. Hier fühlen sich auch Singles nicht alleine, denn bei der feierlichen Stimmung kommt man seinen Tischnachbarn schnell näher.

Wo immer man auch Weihnachten feiert, viele wünschen sich zumindest einen kleinen Weihnachtsbaum.

Wo immer man auch Weihnachten feiert, viele wünschen sich zumindest einen kleinen Weihnachtsbaum. (#04)

Bräuche, die man nicht versäumen darf

Wo immer man auch Weihnachten feiert, viele wünschen sich zumindest einen kleinen Weihnachtsbaum. Zudem gehört für die meisten ein Besuch der Christmette mit zum Weihnachtsprogramm, auch wenn sie ansonsten nicht so religiös sind. In den deutschen Städten steht natürlich auf fast jedem Markt ein hoher Weihnachtsbaum, der mit Lichterketten geschmückt ist. Glänzende Kugeln, Schleifen und andere Zierelemente sind ebenfalls häufig vorhanden. Auch mehrere Meter große Nussknacker oder Weihnachtspyramiden sind auf vielen Weihnachtsmärkten sowie auf den großen Plätzen der Städte zu sehen.

Traditionsgemäß bleibt der Weihnachtsbaum bis zum 6. Januar an seinem Platz, manchmal sogar etwas länger.
In den vorwiegend katholischen Gemeinden findet man außerdem eine Krippe, die auf den christlichen Ursprung des Weihnachtsfestes hinweist. Schließlich handelt es sich bei dem Tannenbaum eigentlich um einen heidnischen Brauch.

Video:Weihnachtslieder deutsch | Stille Nacht, heilige Nacht | Chor | Engelsgleich | Angelrellas

Das Singen von Weihnachtsliedern darf bei vielen Familien ebenfalls nicht fehlen. Das ist einer der Gründe, warum es so viele Deutsche zu Weihnachten in die Kirchen treibt. Manche gehen schon am Nachmittag des 24. Dezember in die Kirche, um sich vor der Bescherung noch einmal zu besinnen und zur Ruhe zu kommen. Andere ziehen die abendliche Christmette vor oder besuchen die Christvesper am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag.

Wer seine Weihnachtsferien im Erzgebirge verbringt, der findet viele hübsche Kirchen, die zu verschiedenen Uhrzeiten ihre Christmette abhalten. Teilweise sehen die Jahrhunderte alten Kirchgebäude inmitten der gemütlichen Städte so ähnlich aus wie die Dorflandschaften, die man sich vor Weihnachten auf dem Tisch oder Sideboard aufbaut.

Hier wie dort sorgen helle, freundliche Lichter, die lebendig funkeln, für eine angenehme Stimmung, für Gemütlichkeit und das Gefühl, willkommen zu sein.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild:Angelika Bentin-#01:Photo-SD-#02: Erik Schumann-#03: Grischa Georgiew-#04:_Dmitri Stalnuhhin

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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