Fluggesellschaften vs. Billigflieger: Unterschiede, Preise, Sicherheit

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Wer eine Reise antreten möchte, hat die Qual der Wahl. Auto, Bahn, Bus oder Flugzeug sind für weitere Reisen die gängigen Verkehrsmittel. Insbesondere die Billigflieger unter den Flugesellschaften haben den Markt gründlich aufgemischt. Aber wo liegen die Unterschiede?

Fluggesellschaften wollen mehr Fluggäste für kurze Trips gewinnen

Wenn man nicht gerade an Flugangst leidet, ist es sehr verlockend, einen Billigflug innerhalb Europas zu wählen. Selbst innerhalb Deutschlands kann man häufig mit dem Flugzeug deutlich günstiger (oder zumindest nicht teurer) ans Ziel kommen als etwa mit der Bahn – die durch Verspätungen und Ausfälle in den letzten Jahren nicht attraktiver geworden ist.

Fernbusse sind mittlerweile eine gern genutzte Alternative, aber wer etwa von Frankfurt nach Berlin reisen möchte und die Wahl hat zwischen einer Stunde Flugzeit und bis zu acht Stunden im engen Bus, entscheidet sich oft für das bequemere Flugzeug. Natürlich muss man dabei die Wege zum Flughafen und die Zeit für das Einchecken mit einbeziehen, aber insgesamt sind Flüge für wenige Euro in europäische Städte kaum zu toppen.

Das gilt jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick fragen sich viele Verbraucher: Wie können die Anbieter so viel billiger sein als die traditionellen Fluggesellschaften? Sind sie überhaupt immer billiger? Und wie ist es um die Sicherheit bestellt? Was passiert, wenn Flüge ausfallen oder Verspätung haben?

Passagierzahlen der europäischen Billigflieger im Überblick (Fluggäste in Millionen, 1. Halbjahr 2018):

  • 64,3 Mio. Passagiere – Ryanair
  • 42,5 Mio. Passagiere – Easyjet
  • 17,9 Mio. Passagiere – Eurowings Group
  • 17,5 Mio. Passagiere – Norwegian
  • 15,6 Mio. Passagiere – Wizz Air
Es ist manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen, aber auch größere Airlines bieten durchaus günstige Tarife an. Schaut man nämlich auf die Details (z. B. erlaubtes Gepäck, Steuern und Gebühren etc.), sind die Tarife der großen Player auf dem Markt nicht immer wesentlich teurer.

Es ist manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen, aber auch größere Airlines bieten durchaus günstige Tarife an. Schaut man nämlich auf die Details (z. B. erlaubtes Gepäck, Steuern und Gebühren etc.), sind die Tarife der großen Player auf dem Markt nicht immer wesentlich teurer.(#01)

Billigflüge gibt es inzwischen auch bei den großen Fluggesellschaften

Es ist manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen, aber auch größere Airlines bieten durchaus günstige Tarife an. Schaut man nämlich auf die Details (z. B. erlaubtes Gepäck, Steuern und Gebühren etc.), sind die Tarife der großen Player auf dem Markt nicht immer wesentlich teurer. Pauschale Aussagen zu Flugpreisen kann man jedoch nie treffen, denn der Zeitpunkt der Buchung und andere Faktoren entscheiden darüber, wie viel man für ein Ticket ausgeben muss. Im gleichen Flugzeug sitzen also schon einmal Passagiere nebeneinander, deren identische Tickets eine Preisdifferenz von mehreren hundert Euro aufweisen können.

Die Preisschwankungen erklären sich wie folgt: Die Airlines fliegen nur dann profitabel, wenn ihre Flugzeuge ausgelastet sind. Daher werden unterschiedliche Flugpreise angeboten, die möglichst früh dafür sorgen, dass keine Plätze frei bleiben. Das bedeutet aber auch, dass die Preise nie gleich bleiben, sondern starken Schwankungen unterworfen sind. Mit etwas Geschick können Passagiere die Preispolitik für sich nutzen. Insbesondere Flexibilität beim Reisetag zahlt sich aus, denn wer beispielsweise am Wochenende nach Mallorca fliegen möchte, zahlt prinzipiell mehr, weil die meisten Urlauber die zusätzlichen freien Tage für ihre Ferien nutzen möchten.

Umgekehrt sind Trips zu Businesszielen wie London gerade am Wochenbeginn teurer, weil dann die meisten Geschäftsreisenden unterwegs sind. Als Faustregel gilt also:

  • Ferienziele unter der Woche buchen
  • Städtetrips lieber am Wochenende buchen
  • unabhängig vom Reisetag: immer möglichst früh buchen
Heutzutage gehen nur noch wenige Menschen direkt ins Reisebüro, um Fluggesellschaften vergleichen zu lassen und dort ihren Flug zu buchen. Das Internet macht es möglich, das alles selbst zu erledigen.

Heutzutage gehen nur noch wenige Menschen direkt ins Reisebüro, um Fluggesellschaften vergleichen zu lassen und dort ihren Flug zu buchen. Das Internet macht es möglich, das alles selbst zu erledigen.(#02)

Die Preise der Fluggesellschaften vergleichen

Heutzutage gehen nur noch wenige Menschen direkt ins Reisebüro, um Fluggesellschaften vergleichen zu lassen und dort ihren Flug zu buchen. Das Internet macht es möglich, das alles selbst zu erledigen. Zahlreiche Vergleichs- und Buchungsportale versprechen die günstigsten Preise – können diese Versprechen aber nicht immer halten. Verbraucherschützer bemängeln immer wieder, dass bestimmte Regeln zur Preistransparenz nicht eingehalten werden. So müssen generell Endpreise genannt werden, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Nebenkosten wie Gebühren, Steuern etc. müssen also genannt werden. Unterschätzt werden regelmäßig die Aufschläge für Übergepäck.

Im Gegensatz zu „richtigen“ Fluggesellschaften erlauben Billigflieger nur sehr wenig Freigepäck – jedes Kilogramm mehr kostet dann richtig Geld. Achten Sie also schon beim Packen unbedingt darauf, innerhalb der Limits der Fluggesellschaften zu bleiben, denn andernfalls kann der Ticketpreis sich beim Einchecken nochmals drastisch erhöhen. Der Komfort ist ein weiterer Punkt, bei dem die Fluggesellschaften sparen können – bei Billigflügen hat man in der Regel wesentlich weniger Beinfreiheit, bekommt keine Essen oder Getränke inklusive und muss sich mit weniger Service zufriedengeben. Bei kurzen Flügen ist das für die meisten Passagiere kein Problem, zumal sich diese Faktoren von Bahn oder Bus nicht wesentlich unterscheiden.

Unbequem kann der Reiseantritt werden, denn um Kosten zu sparen, fliegen die großen Billigflieger gerne von kleineren Flughäfen aus. So findet man am Frankfurter Flughafen aufgrund der vergleichsweise hohen Gebühren für die Airlines nur wenige Anbieter, während der abgelegene Airport Frankfurt-Hahn als Drehkreuz für günstige Flüge dient. Das Problem dabei: Obwohl es so klingt, als sei Hahn nicht weit von Frankfurt entfernt, ist dies nicht der Fall. Der zusätzliche Aufwand lohnt sich also je nach Ausgangspunkt der Reise nicht unbedingt.

Alleine im Jahr 2018 meldeten binnen fünf Wochen ebenso viele Fluggesellschaften Insolvenz an zum Beispiel Primera Air

Alleine im Jahr 2018 meldeten binnen fünf Wochen ebenso viele Fluggesellschaften Insolvenz an zum Beispiel Primera Air (#03)

Insolvenz und Fluggastrechte: Lieber direkt bei den Fluggesellschaften buchen?

Immer wieder hört man, dass es besser ist, direkt bei den Fluggesellschaften zu buchen, weil man so die Provisionen der Vergleichsportale umgehen kann. Außerdem ist die Airline Vertragspartner und Ansprechpartner bei Problemen und nicht das Buchungsportal. Aber auch dabei gibt es einige Haken zu bedenken. Zum einen ist es wesentlich zeitaufwändiger und schwieriger, die Tarife der Fluggesellschaften händisch zu vergleichen; zum anderen zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, dass Billigflieger immer öfter Insolvenz anmelden.

Alleine im Jahr 2018 meldeten binnen fünf Wochen ebenso viele Fluggesellschaften Insolvenz an:

  • Primera Air
  • Azur Air
  • VLM
  • Skywork Airlines
  • Small Planet

Nach der Pleite des Branchenriesen Air Berlin scheint also das Geschäftsmodell der billigen Fluggesellschaften immer mehr zu wackeln. Erst im Februar 2019 wurde der Ferienflieger Germania ebenfalls insolvent – und das ohne Vorwarnung. Nur selten werden gekaufte Tickets dann von anderen Fluggesellschaften akzeptiert oder erstattet. Das ist noch am ehesten der Fall, wenn die Pleite-Airline von einem anderen Mitbewerber übernommen wird, der die Kunden nicht enttäuschen möchte. In der Regel bleiben die Fluggäste aber auf den Kosten sitzen, wenn sie ihren Flug nicht bei einem Reiseveranstalter gebucht haben, der dann als Vertragspartner zuständig ist.

Achtung: Ein Buchungsportal ist kein Reiseveranstalter – Billigflüge darüber zu buchen, hat bei einer Insolvenz also keine Vorteile. Bei der Durchsetzung der in der EU sehr weitreichend gefassten Fluggastrechte gibt es in der Praxis leider immer wieder Probleme, weil die Fluggesellschaften sich stur stellen und darauf setzen, dass der einzelne Passagier den Gang vor Gericht aus Kosten- und Zeitgründen scheut. Eine Möglichkeit, die Fluggastrechte effektiv und zeitnah durchzusetzen, sind spezialisierte Dienstleister, die bei verpassten Anschlussflügen versuchen, eine Entschädigung zu erwirken. Diese setzen die Ansprüche der Fluggäste bei Verstößen gegen die EU-Verordnung EG261 durch.

Für den Passagier ist dies ohne Kostenrisiko und ohne weiteren Verwaltungsaufwand möglich. Im Erfolgsfall behält der Anbieter lediglich eine Provision von der Erstattungssumme ein. Ein Vorteil: Fluggesellschaften reagieren inzwischen sehr viel schneller auf Schadensersatzforderungen, wenn sie über derartige Dienstleister durchgesetzt werden.

Video: Fluggastrechte – ZDF Drehscheibe – EUflight beim ZDF

Wie sieht es mit der Sicherheit der Fluggesellschaften aus?

Generell ist der Luftverkehr in Deutschland und Mitteleuropa sehr sicher. Eine gute Flugüberwachung, gemeinsame Standards innerhalb der EU und strenge Kontrollen geben ein gutes Gefühl beim Antritt eines Fluges. Etwas anders kann das aussehen, wenn man Billigflüge ins ferne Ausland, etwa nach Asien bucht. Die Standards in manchen Ländern können mit denen in der EU nicht mithalten und eine Durchsetzung von Fluggastrechten ist bei Flügen, die nicht in der EU beginnen oder enden (also z. B. inländische Flüge im Reiseland), gar nicht möglich.

Was die Flugsicherheit innerhalb Europas betrifft, veröffentlicht und aktualisiert die Europäische Kommission regelmäßig die EU-Flugsicherheitsliste, in der alle Flugverbote oder Betriebsbeschränkungen von Fluggesellschaften aufgelistet sind. Dies soll sicherstellen, dass Passagiere in der EU einen sehr hohen Sicherheitsstandard erwarten können. Prinzipiell kann man also sagen, dass die Sicherheit bei Fluggesellschaften innerhalb der EU sehr gut ist – das gilt auch für Billigflüge.

Manche Unternehmen kommen aber durch ihre rigorosen Sparkurse immer wieder in die Kritik, weil diese auch die Sicherheit beeinflussen können. So ist der irische Anbieter Ryan Air wiederholt aufgefallen, weil dessen Maschinen Flughäfen wegen schlechten Wetters nicht anfliegen konnten, aber kaum genügend Treibstoff zum Erreichen eines Ausweichflughafens mitgeführt wurde. Zudem sind die Arbeitsbedingungen der Crews und insbesondere der Piloten durchaus ebenfalls sicherheitsrelevant.

Die Pleitewelle bei den Airlines für Billigflüge scheint noch nicht vorbei zu sein.

Die Pleitewelle bei den Airlines für Billigflüge scheint noch nicht vorbei zu sein. (#04)

Fazit: Fluggesellschaften kämpfen um jeden Passagier- aber nicht mehr um jeden Preis

Die Pleitewelle bei den Airlines für Billigflüge scheint noch nicht vorbei zu sein. Zwar können sich die Branchenriesen wie Ryan Air nach wie vor behaupten, aber die Probleme nehmen zu, zumal auch die klassischen Fluggesellschaften wie Lufthansa immer günstigere Tickets im Programm haben. Beim Vergleich sollten Passagiere möglichst frühzeitig buchen und auf Details wie Gepäck und Extrakosten achten.

Bei Verspätungen und Flugausfällen in der EU können Kunden ihre Fluggastrechte durchsetzen. In der Praxis ist dies durch erfahrene Dienstleister, die auf Provisionsbasis arbeiten, jedoch deutlich einfacher als für den einzelnen Kunden.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Mateusz Atroszko-#01:_FamVeld  -#02: _ JKstock  -#03: InsectWorld -#04: Mike Fuchslocher

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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