Urkräfte schieben älteste Marienwallfahrtskirche Bayerns gen Himmel

10.08.2009 | Bogen
"Am berühmten Bogenberg zerteilt 200 Kilometer langer Riss Bayern in zwei Hälften - Osthälfte wurde dabei rund 1.500 Meter gehoben"

"Die Urkräfte, die zur Bildung der Alpen führten, sind noch am Werk und schieben die älteste Marienwallfahrtskirche Bayerns quasi gen Himmel", erläutert Roland Eichhorn, Chef-Geologe am Landesamt für Umwelt (LfU) die Entstehung des 432 Meter hohen Bogenbergs, der weithin sichtbar das Donautal überragt und die Wallfahrtskirche Sankt Maria Himmelfahrt trägt. Dies geht aus der neuen Geologischen Karte hervor, die Eichhorn heute an den Bogener Bürgermeister Franz Schedlbauer überreicht. Rund zwei Jahre haben LfU-Geologen jeden Stein in der Gegend umgedreht. Nun können sie den Aufbau der Erdschichten auf einer Fläche von mehr als 130 Quadratkilometern rekonstruieren. Eichhorn freut sich über den praktischen Nutzen dieser Arbeiten: "Die Karte zahlt sich aus: Damit lassen sich wichtige Rückschlüsse über Grundwasser, Boden und nutzbare Rohstoffe erzielen." Ein Hingucker ist die Karte aber auch für Geologen: Genau an dieser Stelle verläuft nämlich der sogenannte Donaurandbruch, ein 200 Kilometer langer Riss, der sich von Regensburg bis Linz hinzieht. Entlang dieses Risses wurde die Osthälfte Bayerns rund 1.500 Meter nach oben gehoben; es entstanden die Höhenzüge des Bayerischen Waldes und damit auch der von der Wallfahrtskirche gekrönte Bogenberg. +++

Mit modernen Methoden wurde die Gegend nördlich der Kreisstadt Bogen in den letzten Jahren erforscht. Die Experten erhielten auch neue Erkenntnisse zur Verbreitung von nutzbaren Gesteinen: So liegen in der Hunderdorfer Bucht, die sich nördlich von Bogen in den Bayerischen Wald erstreckt, teilweise mehr als zehn Meter mächtige eiszeitliche Lößlehme und Löß über älteren Lehmen - wichtige Rohstoffe für die Dachziegel- und Ziegelherstellung, aber auch für die keramische Industrie. Der Untergrund der Kreisstadt Bogen ist vielfältig: Junge, gerade mal 1000 Jahre alte Schotter des Donautales überdecken 300 Millionen Jahre alte Gneise, im Fachjargon Diatexite genannt. Eichhorn: "Die Bogener können in ihrer Stadt wie in einer Zeitmaschine durch die Jahrmillionen reisen. So vielfältig sind die Gesteine im Untergrund."

In den letzten Jahren war der Bayerische Wald ein Schwerpunkt für die Untersuchungen der Geologen am Landesamt. Feldcomputer und GPS kommen bei den Geländearbeiten ebenso zum Einsatz wie die traditionellen Arbeitsgeräte Hammer, Lupe und Kompass. Historische Karten, Luftbildaufnahmen des Geländes und Sondierungsbohrungen liefern Auskunft über den steinigen Untergrund. Geologische Karten sind nicht nur für Geologen eine wertvolle Informationsquelle, sondern auch für die regionalen Planungsverbände, für Planungsbüros und Kommunen, wenn es zum Beispiel um die Sicherung der Grundwasservorkommen, den Schutz vor Naturgefahren und den Rohstoffabbau geht.

Quelle: Pressemeldung Bayerisches Landesamt für Umwelt

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