Die Revolution frisst ihre Kinder
Als »Drama mit geschichtlichem Hintergrund« bezeichnete Umberto Giordano seine vierte und erfolgreichste Oper, die 1896 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde. »Andrea Chénier« ist ein Hauptwerk des Verismo, einer nach realitätsgetreuer Darstellung strebenden italienischen Opernströmung der Jahrhundertwende. Als veritabler »Reißer« bietet dieses Stück alle Zutaten für einen Opernabend voller Emotionen vor der dramatischen Kulisse der Französischen Revolution. Titelheld ist die historische Figur des Dichters André Chénier, der mit 32 Jahren unter der Guillotine starb. Trotz der außerordentlich dankbaren Sängerpartien ist der eigentliche Motor der Handlung hier das Volk: von ihm geht der Umsturz aus, der die überlebte Welt des Adels hinwegreißt, doch an seine Stelle ein ebenso ungerechtes Terrorregime pflanzt. Die entwurzelte Adlige Maddalena sucht Schutz bei Chénier, wird seine Muse und folgt ihm in den Tod. Zwischen ihnen steht Gérard, aufgestiegen vom Lakaien zum Funktionsträger der Schreckensherrschaft. Gérards verzweifelter Versuch, seinen Rivalen Chénier trotzdem vor der Hinrichtung zu retten, kommt zu spät: Die Revolution frisst ihre Kinder.
Simone Young präsentiert die wirkungsvolle Partitur nun in der Reihe »Opera rara« mit einer herausragenden Sängerbesetzung: Der südafrikanische Startenor Johan Botha, im deutschen wie italienischen Fach gleichermaßen zu Hause, singt den dichtenden Titelhelden. Die berühmteste Arie dieser Oper aber ist für Maddalena reserviert: Die italienische Sopranistin Norma Fantini singt »La mamma morta«. Und Publikumsliebling Franz Grundheber ergänzt sein Repertoire um ein weiteres Rollendebüt: den vielschichtigen Rivalen Gérard. In den weiteren Partien: Ann-Beth Solvang (Bersi), Cristina Damian (La Contessa di Coigny), Deborah Humble (Madelon), Brian Davis (Roucher), Dong-Hwan Lee (Pietro Fléville), Hee-Saup Yoon (Fourquier Tinville), Moritz Gogg (Mathieu), Jürgen Sacher (Un Incredibile), Ziad Nehme (L"Abate) und Kyung-Il Ko (Schmidt).
Premiere A: 7. Februar 2010, 18.00 Uhr
Premiere B: 11. Februar 2010, 19.30 Uhr
Aufführungen: 14. und 18. Februar 2010, 19.30 Uhr
Quelle: Pressemeldung Hamburgische Staatsoper GmbH
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