Deutsche Bahn: Ausdünnung der ICE-Anbindungen von Mainz geplant

05.09.2008 | Mainz
Eines von drei Zugpaaren soll entfallen / Grund: Engpässe wegen Sicherheitskontrollen sowie mangelnde Auslastung / OB Beutel: „Falsche Prioritäten: Sicherheit als Argument zur Einschränkung der Dienstleistung ist wenig kundenorientiert“

Mit großer Verärgerung nimmt Oberbürgermeister Jens Beutel ein Schreiben des DB-Konzernbevollmächtigten für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Gerhard Schinner, zur Kenntnis, in dem dieser sich dafür entschuldigt, dass „die ICE-Leistungen in Mainz nicht in der von uns gewünschten Qualität erbracht“ werden könnten.

Schinner fährt in dem Antwortschreiben auf eine OB-Beschwerde aus, dass der DB derzeit sechs bis acht Fahrzeuge nicht zur Verfügung stünden: „Trotz Mobilisierung aller Reserven sind wir nicht in der Lage, das derzeitige Fahrplanangebot in Mainz vollumfänglich aufrecht zu erhalten.“

Aufgrund der Überprüfung der ICE 3-Flotte in „deutlich kürzeren Intervallen“ sowie angesichts eines „stark wachsenden und gut nachgefragten Marktes“ zwischen den „Ballungsräumen Rhein/Ruhr sowie Rhein/Neckar weiter nach Stuttgart, München und Basel mit teils deutlichen Überbesetzungen“ sehe sich die DB gezwungen, die Linienfahrten zu verringern. Er kündigt daher aufgrund der Engpässe und dem „in geringerem Maße angenommenen Angebot“ der Verkehre zwischen Köln und Wiesbaden/Mainz den Abzug von einem der drei Zugpaare zwischen Köln/Bonn Flughafen und Wiesbaden/Mainz an.

Aufgrund der „schwierigen Situation bei der ICE 3-Flotte“ sei es unvermeidlich, in Nord-Süd-Richtung künftig den um 6:58 Uhr in Köln abfahrenden ICE (Ankunft 8.30 in Mainz) sowie in Gegenrichtung die Fahrt von Wiesbaden (18.49 Uhr, Ankunft in Dortmund 21.30 Uhr) zu streichen. Schinner fügt hinzu, dass für die „betroffenen Kunden (…) alternative Fahrtmöglichkeiten morgens und abends in jeweils ein bis zwei Stunden verschobenen Zeitlagen“ bestehen.

Obendrein werde zudem die sonntägliche Verbindung Köln (17.07) - Wiesbaden (18.11) mit Anschluss nach Mainz nicht mehr angeboten, da hier eine Auslastung von „weniger als 20 Prozent“ erhoben worden sei, führt der Konzernbevollmächtigte an. Um dies zu kompensieren, werde die Option geprüft, den morgendlichen Zug von Köln (6.00) ohne Halt in Bonn Flughafen über Wiesbaden hinaus nach Mainz, Mannheim und Stuttgart (9.22) zu führen. In Gegenrichtung werde geplant, den ICE ab Stuttgart (14.34) mit Halt via Mainz (16.22) und Wiesbaden (16.45) mit Ankunft in Köln um 18.00 verkehren zu lassen.

Beutel zeigt sich durch diese drastische Streichung gerade im Berufsverkehr stark verstimmt. Die DB biete aufgrund der verstärkten Sicherheitskontrollen an der ICE 3-Flotte - basierend auf den zuletzt aufgetretenen massiven Radschäden - und vor dem Hintergrund der jüngst verkündeten abermaligen Preiserhöhungen keinerlei konstruktive Alternativen, sondern reduziere das Angebot auf dem Rücken der Kunden.

Der Mainzer OB deutlich: „Es kann nicht Sinn und Zweck sein, auf notwendige und unumgängliche Sicherheitschecks mit einer Reduzierung von Transportleistungen auf Kosten der Passagiere zu reagieren - und obendrein noch das Preisgefüge deutlich anzuheben. Hier wird der Dienstleistungsgedanke in Zeiten stark steigender Benzinpreise, welche einen wachsenden Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel forcieren, mit Füßen getreten. Kundenorientierung ist sicherlich etwas gänzlich anderes.“

Unter dem Strich, so Beutel, bedeute dieses Szenario, dass der DB-Kunde - gerade als Werktätiger - massiv unter die Räder komme.

Quelle: Pressemeldung Landeshauptstadt Mainz Amt für Öffentlichkeitsarbeit

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