Das Gottlieb-Daimler-Geburtshaus in Schorndorf
Schon seit Generationen sind die Daimlers Bäckermeister. Spätestens seit 1787 befindet sich die Daimlersche Backstube in der Höllgasse, der "Hellen Gasse", Nummer 7. 1825 übernimmt Johannes Deumler, Gottliebs Vater, das Geschäft, zu dem zwischenzeitlich auch eine Weinstube gehört. Aus der Ehe mit der Färberstochter Wilhelmine Friederike Fensterer entstammen vier Söhne: Johannes (1832), Gottlieb Wilhelm (1834), Karl Wilhelm (1840) und Christian Albrecht (1845). Daimlers Vater wird von dem Handel mit Brot und Wein nicht reich. Dennoch lässt er dem jungen Gottlieb eine gediegene Ausbildung zuteil werden, erst an der heimischen Lateinschule, danach in Stuttgart an der königlichen Landesgewerbeschule. Handwerkliches Geschick erwirbt Gottlieb Daimler bei einem Büchsenmacher; sein Gesellenstück wird eine doppelläufige, aufwändig dekorierte Pistole.
1853 verlässt Daimler Schorndorf und kehrt nur noch selten zurück. Ferdinand Steinbeis, Förderer der Industrialisierung in Württemberg, war auf ihn aufmerksam geworden und hatte ihn zur Vorbereitung auf die Polytechnische Schule als Industriearbeiter nach Graffenstaden bei Straßburg vermittelt. Das Geschäft in der Höllgasse führen seine Brüder Johannes und Karl Wilhelm. Wegen der schlechten Ertragslage verkauft Karl Wilhelms Witwe das Haus 1897.
1979 erwirbt die Daimler-Benz AG das Geburtshaus ihres Firmenmitbegründers. Um das Haus möglichst originalgetreu in den ursprünglichen Zustand zu versetzen, muss das Mauerwerk erneuert werden. Die Holzkonstruktion und der Keller können erhalten und saniert werden. Bis auf kleine Retuschen im hinteren Teil entspricht die heutige Raumaufteilung dem Originalzustand. Aus Anlass des hundertsten Todestages von Gottlieb Daimler am 6. März 2000 wurde die Ausstellung im Erdgeschoss erneuert.
Gottlieb Daimlers Notizbuch von seiner Russlandreise 1881 zeigt einen sensiblen Beobachter und künstlerisch gebildeten Menschen. Seine ausgedehnten Reisen und die begrenzten Möglichkeiten des Verkehrs führen Daimler schließlich zu seiner weltverändernden Vision:
"Die Überfüllung der Züge beim Sommerreisen u. der Zwang der Bahnen war mir zuwider u. führte zum Gedanken der selbsttätigen Fahrerei etc."
Quelle: Pressemeldung Daimler AG
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