Bettensteuer benachteiligt Hotelgewerbe im Wettbewerb
Die Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen wendet sich gegen die Einführung der Kulturabgabe in der Stadt Mainz. IHK-Hauptgeschäftsführer Richard Patzke hält die zusätzliche Besteuerung, die alleine eine Branche trifft, für ungerecht: "Das Mainzer Beherbergungsgewerbe, das viel Wirtschaftskraft in die Landeshauptstadt zieht, wird durch die Abgabe nicht nur doppelt besteuert, sondern bekommt alleine die Kosten einer klassischen kommunalen Aufgabe aufgebürdet, von der alle Bürger und Besucher der Stadt profitieren und benachteiligt die Mainzer Hotellerie im Wettbewerb mit Standorten im Rhein-Main-Gebiet."
Patzke führt ins Feld, dass das Beherbergungsgewerbe nicht nur durch seine Steuerzahlungen zur Wirtschaftskraft der Kommune beiträgt, sondern auch durch seine Arbeits- und Ausbildungsplätze. Rund 750.000 Übernachtungen zählen im Durchschnitt der letzten Jahre die 43 Hotelbetriebe mit mehr als 5.200 Betten in der Stadt. So generierten die gewerblichen Übernachtungen 2010 über 131,4 Millionen EUR Bruttoumsatz, die Privatvermieter immerhin auch 1,3 Mio. EUR. Die Tagesbesucher setzen in Mainz 633,6 Mio EUR um. Zudem stellt das Gastgewerbe 2.855 Arbeitsplätze in der Stadt. Mit 290 Ausbildungsplätzen stellt es über die Hälfte der 501 Ausbildungsplätze der Branche in Rheinhessen.
Doch der Blick auf die direkte Leistungsstärke der Hotellerie und Gastronomie ist nicht allein entscheidend. Patzke erklärt: "Der Tourismus ist eine klassische Querschnittsbranche, die auch Streukraft auf andere Wirtschaftsbereiche ausübt." So verbleiben vom Umsatz des übernachtenden Tourismus fast 65 Prozent im Gastgewerbe und über 20 Prozent im Einzelhandel. Die Tagesbesucher setzen über 60 Prozent ihrer Ausgaben im Einzelhandel um und knapp 30 Prozent im Gastgewerbe. Für den IHK-Hauptgeschäftsführer liegt es auf der Hand: "Der Stadtrat müsste dem Beherbergungsgewerbe eigentlich danken für willkommene Wirtschaftskraft auf dem Wege der Umwegrentabilität. Stattdessen wird diesem Gewerbezweig auch noch mit einer Steuer das Leben schwer gemacht." Patzke empfindet es als ungerecht, wenn eine als "Kulturabgabe" verschleierte Bettensteuer von wenigen Beherbergungsbetrieben erhoben werden soll für eine Leistung, von der alle Bürger und Besucher profitieren: "Damit wird faktisch eine klassische kommunale Aufgabe von den Beherbergungsbetrieben erbracht."
Die geplante Einführung der Bettensteuer in Mainz bestärkt einmal mehr die regionale Wirtschaft in ihrer Sorge über den neu erwachten Ideenreichtum der öffentliche Hand, mit dem derzeit auf allen Ebenen in Bund, Land und Kommunen Steuern und Abgaben erhöht oder neu einführt werden. Aktuell sind neue Zuschläge durch vielerlei Steuer-, Gebühren- und Abgabenarten im Gespräch. Alleine in Rheinhessen mit seinen 161 Kommunen haben in diesem Jahr 101 Kommunen die Grundsteuer B erhöht, im Durchschnitt um 20,3 Punkte. Die Grundsteuer A haben 86 Kommunen aufgestockt und elf Kommunen die Gewerbesteuer um durchschnittlich 9,5 Punkte.
Und über weitere Belastungen für die Unternehmen sprechen Politiker in Bund, Land und Kommunen: Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Vergnügungssteuer, Pkw-Maut, Wassercent, oder Wärme-Last-Plan Rhein. Mit der sogenannten Schiffssteuer soll den Binnenschiffern die Mehrwertsteuer von sieben auf 19 Prozent erhöht, der Grunderwerb künftig mit fünf statt mit 3,5 Prozent besteuert werden.
Patzke warnt aber davor, die Betriebe in der derzeitigen Konjunkturlage über Gebühr zu belasten: "Wir beenden zwar gerade ein verhältnismäßig gutes Jahr. Aber die Prognosen für 2012 mit einer Wachstumsrate von maximal einem Prozent lassen erwarten, dass in naher Zukunft wieder hohe Anforderungen an die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gestellt werden."
Quelle: Pressemeldung Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen
Dieser Beitrag wurde bisher 84 mal gelesen.
(Rang 411 auf deutschland-traveling.de)
Weitere News
Fakekennzeichnung
21.11.2011 | Das größte deutschsprachige Reiseportal geht in der Kommunikation bei gefälschten Hotelbewertungen neue Wege:...
weiter in Fakekennzeichnung ...Best Practice Allgäu beim Deutschen Tourismustag
11.11.2011 | Destinationsstrategie als Modell für regionale Kooperationen präsentiert
weiter in Best Practice Allgäu beim Deutschen ...Gothaer verlost auf Facebook ein Wochenende in Köln
28.09.2011 | Die Mona Lisa kennt man inzwischen, van Goghs Sonnenblumen auch. Wie kann man diese und andere berühmte...
weiter in Gothaer verlost auf Facebook ein ...Versicherungsschutz für Campingfreunde
14.06.2011 | Ab sofort bietet Zurich eine spezielle Versicherung für Campingmobile. Die neue Zurich Camping-Versicherung...
weiter in Versicherungsschutz für ...Auf geht"s zum 62. St. Bennofest in Bodenmais
08.06.2011 | Am 16.06.1705 wurde ein Marienbildnis aus Maisried (Böbrach) nach Bodenmais in die Katholische Pfarrkirche...
weiter in Auf geht"s zum 62. St. Bennofest in ...Aktuelles
WirtschaftsWoche mit Fokus auf den Wirtschaftsstandort Allgäu
24-seitiges Magazin zeigt das Allgäu aus einem ungewohnten...
weiter ...Ausstellung W. Eugene Smith - Fotografien. Eine Retrospektive nominiert für Lucie Award 2011
Die Ausstellung "W. Eugene Smith: More Real than Reality",...
weiter ...Neuigkeiten
Best Practice Allgäu beim Deutschen Tourismustag
Destinationsstrategie als Modell für regionale Kooperationen...
weiter ...Weitere Themen
Neueröffnung des Sammlungsbereichs Kunst der Moderne
Abschluss der Sanierungsarbeiten Im Städel-Gartenflügel. Die...
weiter ...Archiv
Ausstellung Stiller Widerstand. Russischer Piktorialismus 1900- 1930
Im Rahmen der "Moskauer Tage in Berlin", die anlässlich des...
weiter ...Deutsche Amateur- Ranglistensieger 2011: Popov und Schneider
Die zwei herausragenden Namen des deutschen Amateurgolfs im...
weiter ...Verschiedenes
Allgäu Initiativ Konferenz beschließt Resolution aufgrund Bundeswehr- Standortschließungen
Gremium möchte mit Forderungen betroffene Kommunen...
weiter ...JazzFest Berlin - ein großartiger Abschied für Nils Landgren
Fast alle Konzerte ausverkauft - über 8000 Besucher kamen...
weiter ...
